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Anregungen zur Weiterentwicklung der Forschungsprogramme der IRTGs Diversity und Entre Espacios

Interview mit der Sprecherin des IRTG Diversity, Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl
 
Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl ist Sprecherin des IRTG Diversity. Für die Historikerin bietet das Vernetzungstreffen über „Liminalität“ die Möglichkeit, über Forschungszusammenhänge beider Graduiertenkollegs nachzudenken. Im Gespräch erklärt sie, wie die Konferenz wichtige Anregungen zur Weiterentwicklung der Forschungsprogramme der Graduiertenkollegs geben kann.

Prof. Lehmkuhl, das Thema des Vernetzungstreffens der beiden Graduiertenkollegs „Diversity“ und „Entre Espacios“ ist „Liminality“. Wieso ist es wichtig, über Liminalität nachzudenken?
Liminalität ist ein Konzept, das von dem Ethnologen Victor Turner geprägt wurde. Es beschreibt den Schwellenzustand, in dem sich Individuen oder Gruppen befinden, nachdem sie sich rituell von der herrschenden Sozialordnung gelöst haben. Während der liminalen Phase befinden sich Individuen in einem mehrdeutigen Zustand. Mehrdeutigkeit ist auch ein zentrales Merkmal von Prozessen des Kulturtransfers und der kulturellen Übersetzung. Mit unserem Fokus auf „mediating differences in transcultural spaces“ adressieren wir im IRTG Diversity die Verhandlung von Mehrdeutigkeit in Kontexten, die durch Differenz gekennzeichnet sind. Im IRTG Entre Espacios steht die Untersuchung von „Zwischenräumen“ im Zentrum des Forschungsprogramms. „Zwischenräume“ werden hier verstanden als weltweite Integrationszusammenhänge, die von konflikthaften Aushandlungsprozessen gekennzeichnet sind. Aushandlung, Mediation, Vermittlung und Übersetzung sind soziale Praktiken, mit denen sich beide Graduiertenkollegs beschäftigen. Diese sozialen Praktiken sind charakteristisch für Räume, die durch Mehrdeutigkeit, Diversität und Prozesse der Transkulturation gekennzeichnet sind. Deshalb ist es wichtig darüber nachzudenken, ob das ethnologische Konzept der Liminalität neue analytische Perspektiven auf die Forschungszusammenhänge der beiden Graduiertenkollegs eröffnen kann.

Kann ein Treffen der Graduiertenkollegs „Diversity“ aus Trier, Saarbrücken und Montreal und „Entre Espacios“ aus Berlin, Potsdam und Mexiko denn konzeptuell und empirisch zur Entwicklung der Forschung zu diesem Thema beitragen?
Beide Graduiertenkollegs beschäftigen sich empirisch mit machtdurchsetzten Austausch- und Verhandlungsprozessen in transnationalen bzw. transkulturellen Sozialräumen. Dies geschieht auf der Grundlage geschichtswissenschaftlicher, literaturwissenschaftlicher, politikwissenschaftlicher, soziologischer und ethnologischer Forschung. Die interdisziplinäre Beschäftigung mit Liminalität am Beispiel von ausgewählten Sozialräumen in Mexiko, Quebec/Kanada, der Grenzregion Saar/Lor/Lux, Frankreich, Belgien und Deutschland trägt dazu bei, das Konzept der Liminalität mit Blick auf Gegenwartsgesellschaften und empirisch-historisch gesättigt weiterzuentwickeln.

Gehen Sie davon aus, dass ein Vernetzungstreffen bei der Weiterentwicklung des Graduiertenkollegs hilfreich sein kann?
Im Rahmen des Vernetzungstreffens werden wir die theoretisch-konzeptuellen Grundlagen unseres Forschungsrahmens reflektieren. Nachdem wir uns vor einem Jahr in der „Spring Lecture Series“ mit Kontaktzonen und liminalen Räumen beschäftigt haben, ist der jetzt geplante vergleichende Austausch über das Konzept der Liminalität ein weiterer Schritt in Richtung auf die Weiterentwicklung unserer theoretischen Grundlagen und zentralen Analysekonzepte. Ich bin sicher, dass die Konferenz insbesondere im Hinblick auf das Raumkonzept wichtige Anregungen zur Weiterentwicklung des Forschungsprogramms geben wird.

Mehr Informationen zu der IRTG-Vernetzungskonferenz: http://irtg-diversity.com/index.php?page=now-and-upcoming&article=107

Ein Interview mit den Organisatorinnen der Konferenz: http://irtg-diversity.com/index.php?page=now-and-upcoming&article=108
 
 
 
 
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