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Sarah Larsen-Vefring

Sarah Larsen-Vefring
Address University of Trier
DM 240
E-Mail sarah_larsen-vefring@freenet.de
 

Dissertation

Inszenierung von Diversität. Performanz kultureller Vielfalt und Differenz am Quebecer Beispiel des Theaters von Robert Lepage

(Supervisors: Hans‐Jürgen Lüsebrink, Saarbrücken / Christoph Vatter, Saarbrücken)

Der Umgang mit Diversität ist immer wieder Gegenstand intensiver Diskussionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch was bezeichnen wir eigentlich als Diversität? Diversität wird in der Dissertation als ständig neuverhandeltes Ergebnis sozialer Differenzierungsprozesse betrachtet. Diese Prozesse finden innerhalb eines ebenfalls sozial definierten Raumes statt. Der gewählte geographische als auch soziale Raum Quebec weist die Besonderheit auf, dass zum einen die Gesellschaft stark durch Immigration geprägt ist und zum anderen eine interkulturelle Vision des Umgangs mit Diversität vorherrscht, die sich vom kanadischen Multikulturalismus abzugrenzen sucht.

Performanz wird in der Arbeit als theoretisches Konzept, dem zufolge eine performative Handlung Realität schafft, verstanden. In diesem Fall wird Diversität durch Theater performativ konstituiert. Theater ist hierbei ein Kommunikationsmedium mit unmittelbarer Auswirkung auf den Zuschauer.
Robert Lepages Theater ist vor diesem Hintergrund als künstlerisches Produkt einer Gesellschaft, die von integrationspolitischen Debatten sowie dem alltäglichen Umgang mit kultureller Heterogenität geprägt ist, zu sehen. Gleichzeitig konstruiert sein Theater selbst Diversität und verhandelt dabei Differenzkategorien und soziale Zuschreibungen neu. Seine Quebecer Perspektive erweitert Lepage um transkulturelle Raumauffassungen, was sein Theater zu einem Forschungsgegenstand erhebt, der ein neues Bewusstsein für Differenzierungsprozesse aufzeigt und die (negative) Bedeutung kultureller Differenz relativiert.

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive wird daher untersucht, wie Lepage Diversität konstruiert. Hierbei werden Differenzkategorien ausgewählt, und es wird analysiert, wie Lepage diese in einem Korpus von neun Theaterstücken der Zeitspanne 2003 bis 2013 ästhetisch und narrativ zunächst herstellt. Weiterhin wird untersucht, wie er mit den auf der Bühne konstruierten Differenzen theatralisch umgeht und sie Teil eines Entwicklungsprozesses werden lässt.

Die Analyse bringt die folgende Hauptthese der Arbeit hervor: Lepage spielt mit der Wahrnehmung von Diversität und stellt bekannte Differenzierungsmuster durch bestimmte visuelle Strategien, Humor und erzähltechnische Feinheiten infrage. Differenz wird insofern in Teilen wieder dekonstruiert. Gleichzeitig konstruiert Lepage kulturelle Vielfalt und unterstreicht ästhetisch ihren Wert.

Hierbei geht er noch einen Schritt weiter, indem er transkulturelle, also kulturübergreifende Welten schafft. Diese erzeugt er durch eine visuelle Betonung von raumübergreifender und intermedialer Bewegung, Kommunikation, Verständigung und Ästhetik. Diversität und die Überschreitung von konstruierten Raumgrenzen jeglicher Form erscheinen in den Stücken als normal. Im Vordergrund stehen bei Lepage die Komplexität und gleichzeitige Einfachheit der Menschlichkeit sowie Selbstreflexion und die Wertschätzung des Anderen.

Robert Lepages Inszenierung von Diversität fordert den Zuschauer heraus, die eigene Sicht auf Vielfalt und Differenz zu reflektieren. Die gesellschaftlichen Ereignisse und medialen Phänomene des 21. Jahrhunderts verlangen eine Auseinandersetzung mit Diversität. Dies trifft insbesondere auf Quebec zu, wo in einem ständigen Neuverhandlungsprozess Lösungsansätze für ein gesellschaftliches Miteinander gesucht werden, und lässt sich auf andere Räume ausweiten. Die Dissertation stellt mit dem Theater von Lepage in diesem Sinn ein Beispiel für Akteure in Politik und Wirtschaft sowie für jeden Einzelnen vor – ein Beispiel, wie Diversität aufgefasst, ausgehandelt und gelebt werden kann.

Current Activities

23 - 25 May 2016
"La Déconstruction de stéréotypes dans Cœur de Robert Lepage", Vortrag auf der 15. Jerusalem-Konferenz in Kanadastudien Rethinking Diversity and Multiculturalism: Global and Local Challenges, Hebrew University of Jerusalem
Jul./Aug. 2015
3. Forschungsaufenthalt in Montreal/Quebec

Theaterbesuche:
17 Jun. 2015
, Las Vegas
10 Mar. 2015
Vorpremiere 887, Châlons-en-Champagne
28/29 Jan. 2015
Seuls (Mouawad), Nantes; Les Aiguilles et l'opium, Le Mans

Education

2006-2012
Magister-Studium, Universität des Saarlandes: Französische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte
Magisterarbeit: "Interkulturelle Adaptationsformen klassischer Autoren im Theaterwerk Robert Lepages anhand von The Busker's Opera und Le Projet Andersen"
2009-2010
Université de Montréal
2008-2009
Ecole Normale Supérieure de Lyon

Work Experience

2011
Sprachbegleiterin in Frankreich
2010-2011
Freie Mitarbeiterin für die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz
2009
Praktikum im Conservatoire national supérieur musique et danse de Lyon
2008, 2011
Studentische Hilfskraft im Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes
2007
Praktikum im Kulturzentrum "lieu unique" in Nantes

Awards and Fellowships

2013
Prix d’Excellence du gouvernement du Québec für Magisterarbeit
2012
DAAD-Stipendium für die Asia-Europe X-Cultural Summer Academy, National University of Malaysia
2011
DAAD-Stipendium für Forschungsaufenthalt in Quebec

Publications

2016
"J.-M. Larrue, G. Pisano (dir.), Les archives de la mise en scène (book review)", Francia-Recensio 4. http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2016-4/zg/larrue_larsen-vefring (12.12.2016)

Conference Presentations

May 2016
La Déconstruction de stéréotypes dans Cœur de Robert Lepage
Rethinking Diversity and Multiculturalism: Global and Local Challenges. 15th Jerusalem Conference in Canadian Studies, Hebrew University of Jerusalem, Israel, 23/05-25/05/2016.
Sep./Oct. 2015
Jeux de cartes de Robert Lepage: dépasser une crise en s'enfuyant?
Écriture de la crise: dans la tourmente et au-delà. Les littératures au Canada et au Québec, Universität Innsbruck, 30/09-03/10/2015.
Jun. 2015
Cultural Diversity as Liminal Experience in Postmigrant Theatre and in the Work of Robert Lepage
(mit Laura Paetau) Networking Conference of the IRTGs Diversity and Entre Espacios: Liminality, Trier, 10/06-13/06/2015.
Mar. 2015
Enthüllung im Theater. Visualisierung (un-)sichtbarer soziokultureller Realitäten bei Robert Lepage
31. Forum Junge Romanistik: (Un-)Sichtbarkeiten, Universität Rostock, 05/03-07/03/2015.
Dec. 2014
Im Spiegel des Fremden. Performanz von Identität bei Robert Lepage
CLASH. (Non)Belonging: (Re)Reading Identities, Adam Mickiewicz University Poznań, Polen, 05/12-06/12/2014.
 
 
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